Die bessere Form der Krisenvorsorge

Die Masse der Menschen läuft leichtsinnig auf den Abgrund zu, weil eine „spanische Wand“ den Blick in den unendlichen Abgrund verhindert. Auf dieser imaginären Video-Wall genießen fröhliche, zufriedene Leute das Leben. Wäre die Wand nicht dort, würden die vorn laufenden Menschen vor Entsetzen erstarren. Anhalten oder umkehren könnte keiner von ihnen, zu gewaltig ist der Druck der nachschiebenden Masse.Wer hier mitliest weiß um die Fallhöhe. Die Gefahren des Absturzes sind bekannt. Auch, daß er unausweichlich ist. Jeder hat sich nach seinen Möglichkeiten darauf vorbereitet und glaubt daran, daß er das schlimmste für sich und seine Familie verhindern kann… und doch weiß jeder, daß bei noch so guter Vorsorge umfassende Sicherheit nicht zu haben ist.

Dem oder der Einen macht dies Angst, ein anderer mag vor Panik schon jetzt in Handlungsunfähigkeit erstarren. Die große Zahl der Wissenden führt eine Art schizophrenes Dasein. Man geht seiner Arbeit nach, erfüllt die täglichen Pflichten, geht vielleicht sogar mal ins Kino oder ins Fußballstadion. Zugleich kreisen die Gedanken um das was kommen wird. Gleichgesinnte, mit denen man sich austauschen könnte, sind rahr.

Wer an dieser Schizophrenie nicht kaputt gehen möchte, könnte sich ein Betätigungsfeld oder eine Aufgabe suchen, die ihn zumindest zeitweise auf andere Gedanken bringt. Vielleicht die Mitarbeit in einem Verein, im NABU etwa oder unter einer aktiven Wandergruppe.
Tägich das Netz nach immer neuen Vergewaltigungsnachrichten, Polizeiaktionen oder Politikerergüssen zu durchforsten, kann für den Neuling interessant sein; wer seit vielen Jahren auf diesem Tripp unterwegs ist, wird von den Ärgernissen und Katastrophen, die er tagtäglich inhaliert, irgendwann seelisch vergiftet.

Das heißt nicht, man solle die Augen verschließen, den Kopf in den Sand stecken und womöglich auch die ersparten Euronen verprassen. Nein, ich schreibe hier darüber, was ich vor über einem Jahr begonnen habe, um nicht so zu verpanzern, daß meine Seele unter einer dreifachen Hornhaut erstickt.

Eigentlich wollte ich mit einem guten Bekannten nur mal reinschnuppern in das Jägerleben. Er war sehr aufgeschlossen und hat mich eines Abends mit auf den Ansitz genommen. Eine Sau wollte er erlegen. Ich sollte warme Sachen anziehen, denn wir würden unter Umständen lange auf dem Hochsitz bleiben.

Es war November und um 20 Uhr natürlich bereits stockfinster. Wir fuhren in seinem Wagen zum Revier. Büchse und Nachtglas hatte er dabei, auch ein etwas einfacheres Nachtglas für mich. Nachdem das Auto ein paar Hundert Meter vom Hochsitz entfernt abgestellt war, gingen wir so leise wie möglich zu unserem Ziel, stiegen die steile Leiter hinauf, nicht ohne sie zuvor auf Stabilität zu prüfen (Ansitzleitern sind ein beliebtes Zerstörungsobjekt für selbsternannte Tierschützer).

Nach der Anweisung nicht  zu reden und sich nur äußerst vorsichtig auf dem Sitz zu bewegen, ging´s ans Warten. Vor dem Ansitzfenster lag etwa 30 Meter entfernt eine größere Dose voll Mais. Sie sei verankert, damit die Wildschweine sie nicht den Hand abwärts trudeln könnten, aber die Tiere hätte ihre Freude daran, durch Hin- und Herschleudern der Dose Mais rauspurzeln zu lassen – sie mögen Mais.

Wir warteten bis gegen 2 Uhr morgens. Eine Sau kam nicht. Stattdessen zog ein Dachs zur Maisdose und bekam auch irgendwie ein paar Maiskörner heraus. Irgendwie muß er Wind von uns bekommen haben. Jedenfalls ging´s auf leisen Sohlen ab in die Hecke. Eine gute halbe Stunde später flog ein Steinkauz über die Anfütterungsstelle. Offenbar suchte er hier nach Mäusen. Einmal kam er unserem Kanzel-Fenster sehr nahe. In einem völlig lautlosen Flug. Eine Spezialität aller Eulenartigen.

Gegen zwei war es mit der Schweigezeit vorbei. „Okay, wir baumen jetzt ab.“ Das war das Signal zum Nachhausegehen, besser zum Auto. Meine Beine waren etwas steif geworden, aber ich bereute nicht dabei gewesen zu sein. Zwischen den offenen Kronen der Buchen war der sternenklare Himmel zu sehen und der Vollmond ersparte uns die Taschenlampe.

Mein Bekannter verstaute Büchse und Ferngläser im Auto. Vor seiner Wohnung setzte er mich ab. Dort stand mein Wagen. „Wenn Du magst, rufe ich Dich vor meinem nächsten Ansitz an. Vielleicht haben wir dann mehr Glück.“ Natürlich mochte ich und ich hatte auch einen Entschluß gefasst. Am nächsten Tag suchte ich im Internet nach den Anschriften von Jagdschulen.

Mehr darüber wie es weiterging, und was mich an der Jägerei so interessiert, berichte ich auf jagerherz.de

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