Von der Sucht gebraucht zu werden…

Helfen wollen und Liebe sind  keine Herzensangelegenheit. Die Gefühlswelten des Verliebtseins und des Helfenwollen liegen eng beieinander. Manchmal ist man vom Verliebtsein so berauscht, das man keine Grenzen mehr ziehen kann. Manchmal geschiet es, daß man sich mehr in das Bild eines Menschen verliebt als in die reale Person. Das kann dann der Antrieb begeisterter Hilfsbereitschaft sein. Wenn sich solche Euphorie zur Massenhysterie steigert, steht man plötzlich unter Hunderten Menschen mit Teddybären zum Flüchtlingsempfang an Bahnhöfen.
(Foto: dpa / Ein Flüchtlingskind freut sich über geschenkte Stofftiere)

Schmetterlinge im Bauch…

haben nicht nur frisch Verliebte. Was die Chemie in unserem Gehirn anzurichten vermag, wird auf der Seite von gehirn.info detailliert beschrieben.

Liebe ist Biochemie – und was noch?

Verliebtsein entfacht im Gehirn ein chemisches Feuerwerk. Und auch wenn sich später der Sturm der Gefühle legt, spielen Hormone eine wichtige Rolle. Ist damit schon alles über eines der großen Mysterien in unserem Leben gesagt?

  • Evolutionspsychologischen Theorien zufolge ist Liebe ein Trick der Evolution, um das menschliche Überleben zu sichern.
  • Im Gehirn regt sich beim Anblick des Geliebten vor allem das Belohnungssystem. Areale, die für rationales Denken und dem Einschätzen anderer Menschen zuständig sind, fahren ihre Aktivität nach unten.
  • In der frühen Phase der Liebe spielt vor allem der Botenstoff Dopamin eine große Rolle und sorgt für den Rausch der Gefühle. In späteren Phasen von Beziehungen bestärkt möglicherweise das Hormon Oxytocin die Bindung zwischen den Partnern.
  • Ob sich Liebe wirklich auf die Neurochemie im Gehirn reduzieren lässt, ist umstritten. In vielem steht die Neurowissenschaft der Liebe erst am Anfang. Bisher jedenfalls lässt sich die Komplexität der Liebe nicht im Labor abbilden.

Liebe als Sucht?

2012 trug die Neurowissenschaftlerin Stephanie Cacioppo von der Universität Genf gemeinsam mit Kollegen die Funde der Hirnforschung zur romantischen Liebe zusammen. Das Ergebnis: Leidenschaftliche Liebe entfacht Hirnareale, die mit Euphorie, Belohnung und Motivation in Verbindung gebracht werden. Da sich diese Regionen auch unter dem Einfluss von Opiaten oder Kokain regen, ist für viele Forscher klar, dass sich Liebe und Sucht wohl gar nicht so unähnlich sind. Der Psychologe Jim Pfaus von der Concordia University formuliert es so: „Liebe ist eigentlich eine Gewohnheit, die sich aus sexuellem Begehren ergibt, da Begehren belohnt wird. Es funktioniert in der gleichen Weise im Gehirn, wie wenn Menschen von Drogen abhängig werden.“

Der Blick auf die Hormone scheint ihm Recht zu geben. Gerade in der prickelnden Phase des Verliebtseins überschwemmt der Botenstoff Dopamin das Gehirn. Ausgeschüttet vom Hypothalamus, der wichtigsten Hormonquelle des Gehirns, wirkt Dopamin vor allem im bereits erwähnten limbischen System. Im Volksmund gilt der Botenstoff bereits als Glückshormon. Und er spielt tatsächlich nicht nur bei Belohnungen im Gehirn und bei Euphorie eine Rolle, sondern auch bei Sucht. (Süchtig nach Liebe)

Liebe – eine Obsession?

Während der Dopaminspiegel im Rausch der Gefühle zunimmt, nimmt ein anderer Botenstoff ab: Serotonin. Der Serotoninpegel von Verliebten ähnelt denen von Menschen mit einer Zwangsstörung, ergaben erste Untersuchungen. Nicht nur der Hirnforscher Semir Zeki behauptet daher: „Liebe ist am Ende eine Form von Obsession.“ In frühen Stadien lähme sie im Allgemeinen das Denken und lenke es in die Richtung eines einzigen Menschen.

Liebe ist also eine Form der Besessenheit. Auch das hört sich zunächst plausibel an. Wer kennt es schließlich nicht, wie die Gedanken nur noch um einen Menschen kreisen. Doch diese Interpretation ist nicht nur einmal mehr reichlich spekulativ, sondern hat auch noch einen anderen Haken. Zwar spielt das Serotoninsystem nach allem, was man weiß, tatsächlich bei der Liebe eine Rolle. Aber nach einer Übersichtsstudie von 2009 ist nicht gesichert, dass der Serotoninspiegel von romantisch Verliebten immer sinkt.

Das nachstehend vorgestellte Buch richtet sich eigentlich an Hochsensible. Es gibt aber auch viele Hochsensible mit einem Helfersyndrom:
Das Buch stammt ursprünglich aus den 80er Jahren, hat aber nicht an Aktualität verloren. Anhand vieler realer Erlebnisse von Frauen, hinter deren Fürsorge und Hilfbereitschaft vor allem das unendliche Bedürfnis gebraucht zu werden steht, erklärt die Autorin sehr anschaulich, wie diese Menschen sich vor allem in das Bild, wie der Partner sein könnte, verlieben. Ständig arbeiten sie daran, dass ihr Partner sich hin zu diesem Bild verändert, zu einem besseren, verantwortungsvolleren, fürsorglicherem, liebevollen usw. Partner wird. Verändert sich der Partner tatsächlich in diese Richtung, zerbricht oftmals die Beziehung, weil nun eine Nähe entsteht, die zwar als Ziel eine treibende Kraft war, aber nicht wirklich gelebt werden kann. Es wird eine neue Beziehung nach dem selben Muster eingegangen.

Am Ende des Buches wird aufgezeigt, wie der Genesungsprozess von der Sucht, gebraucht zu werden, aussieht. Im gesamten Buch geht sie oft auf die Parallelen zu Alkoholikern bzw. Co-Alkoholikern ein. Sie empfiehlt auch dringlich die Teilnahme an entsprechenden Selbsthilfegruppen. Das war mir an manchen Stellen etwas zu viel, was aber mein einziger Kritikpunkt ist. Die letzten Kapitel gehen dann noch einmal explizit auf den Weg zur Genesung ein und welche Gesichtspunkte dabei wichtig sind, wobei der Austausch mit anderen eben ein Baustein ist.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Frauen, weil nach ihrer Beobachtung vor allem Frauen von dieser Sucht betroffen sind. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es gerade unter hochsensiblen Männern auch viele Betroffene gibt. Von daher halte ich das Buch sowohl für Frauen als auch für Männer für sehr empfehlenswert!

Beitragsbild: pixabay

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1 Kommentar

  1. Aber, wie steht es denn mit der Liebe zum „Vaterland“, zu den eigenen „Landsleuten“, der Liebe unserer „Regierung“ zu den eigenen „Untertanen“, die den ganzen Schlamassel der „Fremdenliebe“ finanziell erst möglich machen? Warum ist diese Art der „Nächsten-Liebe“ ausgestorben? Müssten die uns Anvertrauten, die wir alimentieren, uns nicht auch irgendwie lieben? Stattdessen wollen sie uns ermorden, weil wir so blöde Ungläubige sind. Ist diese Art Mitmenschen zu lieben und sie mit Teddybären zu bewerfen nicht etwas anderes als die Liebe in anderen Kulturen? Stimmt bei Islamabhängigen irgendetwas nicht mit der Gegenliebe? Also wäre doch die Liebe kulturabhängig! Sind wir nicht eventuell tatsächlich vom Christentum geprägt und die Liebe erfordert keine Gegenliebe sondern die zweite Backe hinzuhalten? Frauen lassen sich von ihren Männern verprügeln, bleiben trotzdem bei ihm, weil sie ihn lieben. Gibt es nicht auch eine krankhafte Art des Liebens? Im Falle der „Flüchtlingsliebe“ scheint mir, dass viele Deutsche sich als Kollektiv endlich befreien wollten von der „Erbsünde“ Hitler. Das erklärt auch, warum sich die gesamte Politik mitsamt Qualitätsmedien dem Kollektivwahn angeschlossen hat. Einige, wenige haben den Verstand behalten und der „Liebe“ entsagt, und es erging ihnen beinahe wie jenen, die vor dem Trojanischen Pferd warnten. Fremdenliebe als Gegengewicht zum Hass der Islamverrückten gegen „Ungläubige“.
    http://wort-woche.blogspot.de/2017/02/deutschland-wird-rauer-und-rabiater.html

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  1. Zum Valentinstag: Süchtig nach Liebe | Krisenfrei

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